Von Frank Vincentz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org

Was ist die Kollekte?

Es ist ein guter Brauch, im Gottesdienst eine Kollekte zu sammeln, um das weitreichende Engagement der kirchlichen und diakonischen Arbeit zu unterstützen: Hilfe am Nächsten,  Bildungs- und Jugendarbeit, Mission, Katastrophenhilfe, Partnerschaftsbeziehungen – die Anlässe sind vielfältig. Die Kollekte hilft vor Ort, überregional in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, in den Beziehungen der weltweiten Kirche und bei Notfällen. 

Koordiniert werden die Kollekten über einen Kollektenplan, den die Landeskirche verabschiedet. Dieser Plan legt die Pflichtkollekten fest, die am betreffenden Sonntag in allen Kirchengemeinden gleichzeitig gesammelt werden. Wenn an einem Sonntag keine Festlegung getroffen wurde, wird aus den Wahlkollekten  ein passender Kollektenzweck ausgewählt. Das Portal www.sonntagskollekte.de bündelt beide Kollektenarten auf einer Plattform, die Auswahl ist im Menüpunkt „Kollekten“ unkompliziert möglich. Zusätzlich werden weitere Kollekten im Dekanatsbezirk und in der Gemeinde vor Ort festgelegt, die dezentral auf z. B. Gemeindeinternetseiten gesammelt werden. 

Dazu kommen die jährlich stattfindenden Sammlungen, bei denen über die eigene Gemeinde hinaus die Öffentlichkeit auf besondere gesellschaftliche Nöte hingewiesen wird.

So entsteht eine Balance zwischen lokalen und landeskirchenweiten Interessen. 

Gott segne Geberinnen und Geber, und die Verwendung der Gaben!

Die Gabe der Kollekte

Die Kollekte steht in einer langen biblischen Tradition des Gebens und Nehmens. Apostel Paulus warb mit Leidenschaft um Kollekten für die Gemeinde in Jerusalem (1. Korinther 16, 2. Korinther 8-9).

Die Sammlung für die Armen in Jerusalem ist nicht nur ein Herzensanliegen, sondern auch eines der Lebensprojekte des Paulus. Für Paulus ist die Kollekte selbst Gradmesser für die Wirksamkeit des Evangeliums in der Welt. Durchgehend in seinen Briefen wirbt er leidenschaftlich, rhetorisch brillant und mit einem hinreißenden Charme für diese Sache. Die Kollekte muss ihre Bewährungsprobe bestehen, aus freien Stücken erfolgen und nicht unter Zwang, also ohne aus den Werken des Gesetzes zu kommen.

Das Gabehandeln ist Ausdruck der Gerechtigkeit Gottes, um die an den Rand Geratenen wieder in die Gemeinschaft zu integrieren und ihnen durch großherziges Abgeben und Teilen die Existenz zu sichern.

Die Kollekte ist Ausdruck des gemeinsamen Glaubens und damit das sichtbare gemeinsame Band, dem eine integrierende/integrative Funktion zukommt. Damit wird das Geben selbst als angemessener Gottesdienst, als Antwort auf Gottes großzügiges zuvorkommendes Geben. Gott der Geber aller Gaben verausgabt sich, und ihm wird durch das Weiter-Geben dafür gedankt. Die Gabe ist alltäglicher Gottesdienst, in ihr wird Gott für seinen Reichtum gedankt, und in ihr treffen sich die Gnade, die Gerechtigkeit und wohl auch Schönheit und Charme des Gebens und Nehmens.

 

Aus: Kreuzer, D. T. (22. 11 2020). Die Gnade als Gabe./Die Gerechtigkeit als Gabe. Von fundraising-evangelisch:
https://www.fundraising-evangelisch.de/gnade